Veranstaltung der SPD-Stadtratsfraktion im Rahmen der Reihe „impuls C – Ideen für Chemnitz“

Die dritte Veranstaltung der SPD-Stadtratsfraktion im Rahmen der Reihe „impuls C – Ideen für Chemnitz“ rückte das Thema: „Neue Wohnformen im Alter“ in den Mittelpunkt.

In der AWO-Wohnanlage auf der Stollberger Straße suchte die Stadtratsfraktion das Gespräch mit Vertretern der Wohnungswirtschaft, Wohlfahrtsverbänden und Bürgerinnen und Bürgern.

Hellfried Unglaub, langjähriger Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft Plauen umriss in seinem Einführungsreferat die zukünftigen Herausforderungen an die Wohnungswirtschaft und die Wohlfahrtsverbände. Dabei sprach er Punkte an, über die man sich in jungen und mittleren Jahren oft viel zu wenig Gedanken macht. So stehen die in den letzten beiden Jahrzehnten in Sachsen zu verzeichnenden Zersiedlungstendenzen, also der Wunsch nach Wohnen im Alter in grünen Stadtrandlagen, im „kleinen Häuschen“ auf dem Lande, oft im Widerspruch zur noch vorhandenen Mobilität. Wie kann man mobil bleiben? Wie erreicht man vom Stadtrand aus schnell ärztliche Hilfe? Wo gibt es Einkaufsmöglichkeiten? Je nachdem, wie die Antworten auf dieses Fragen ausfallen, zeigt sich: Ist diese Mobilität eingeschränkt, bleibt der Umzug in eine städtische Mietwohnung oft der einzige Ausweg.

Nach Unglaubs Erfahrung kann altersgerechtes Wohnen dauerhaft nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten funktionieren. Denn Wohnen, und besonders das Wohnen im Alter, ist auf der einen Seite ein Wirtschaftsgut für die Eigentümer, auf der anderen Seite aber auch ein gesellschaftliches Sozialgut in der Verantwortung der Kommunen. Um dieser sozialen Verantwortung gerecht zu werden, sind Städte und Gemeinden gut beraten ihre Wohnungsgesellschaften im kommunalen Eigentum zu halten.

Eine besondere Herausforderung stellt aus  seiner Sicht in den nächsten Jahren die Entwicklung der Renten und damit das für Wohnraum verfügbare Einkommen dar: „Den Geburtsjahrgängen ab 1960 bis 1970 droht Altersarmut. Mit einer Rente auf Grundsicherungsniveau wird die Finanzierung von Wohnen ein riesiges Problem. Hier ist die Politik gefordert, die Sozialgesetzgebung an die veränderten Bedürfnisse anzupassen und durch gezielte Wohnbauförderung die Schaffung von bezahlbaren, altersgerechten Wohnraumangeboten zu unterstützen.“ Die Absenkung der Städtebauförderung für altersgerechtes und generationsübergreifendes Wohnen im Bundeshaushalt 2013 sei angesichts der absehbaren Entwicklung ein Schritt in die falsche Richtung.

Mit dem Bedarf an altersgerechtem Wohnraum steigen auch die Angebote für den barrierearmen und/oder altersgerechten Um- und Ausbau von Wohnungen. Machbar ist dabei alles – vom einfachsten Standard bis zu individuellen ausgefeilten Unterstützungsangeboten, die das Wohnen im Alter erleichtern sollen. Die notwendige Finanzierung solcher Angebote und die daraus resultierenden Mietpreise stehen jedoch nur selten im Fokus der Eigentümer.

Sinnvoll und erforderlich wäre dabei nicht der Komplettumbau der Wohnungen auf höchstem technischen Niveau, sondern ein an die individuellen Bedürfnisse und den jeweiligen Geldbeutel angepasstes Angebot. Oft lassen sich mit einigen gezielten Umbauten schon große Verbesserungen erzielen: der Einbau eines Fahrstuhls, die Anpassung der Türbreiten und die Absenkung der Schwellenhöhen helfen älteren Menschen, weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung wohnen zu können. Und so ein Umbau muss nach Unglaubs Erfahrungen für Vermieter und Mieter nicht einmal teuer sein – gute Angebote gibt es bereits ab 2.000 €. Auch ein Conciergedienst kann in vielen alltäglichen Dingen Erleichterung für die Bewohner eines Hauses schaffen.

Die Idee von der „fröhlichen Alten-WG“ mit jeweils eigenen Zimmern, aber gemeinsamen Hobbyraum und Küche, erweist sich aus Unglaubs Sicht dagegen als wenig praxistauglich. Menschen zusammenzubringen, die sich vorher nicht kannten und dann im fortgeschrittenen Alter in einer gemeinsamen Wohnung zusammen leben sollen,  würde nur in Ausnahmefällen funktionieren. Für die Mehrheit der älteren Menschen ist das Wohnen in den eigenen vier Wänden unter Berücksichtigung der persönlichen Bedürfnisse, wie beispielsweise des Unterstützungs- und Pflegebedarfs, stattdessen die erste Wahl. Gerade Wohnanlagen mit individuellem Wohnraum und einem Angebot für gemeinsame Freizeitmöglichkeiten sollten deshalb den künftigen Bedarf decken helfen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit der Vorsitzenden des Chemnitzer Seniorenbeirates Hildegard Rothe, der AWO-Fachbereichsleiterin für Seniorenarbeit und Pflege, Andrea Saupe, der Leiterin des Mehrgenerationenhauses in der Irkutsker Straße Jana Rauch und dem SPD-Stadtrat Klaus Möstl wurden Kooperationsmöglichkeiten für Betreuung und Freizeitgestaltung erläutert. So zeigt das Mehrgenerationenhaus, dass eine sinnvolle Freizeitgestaltung u. a. durch ein Ehrenamt, ein wichtiger Baustein für das Miteinander im Alter sein kann.

Natürlich kamen auch die Gäste der Veranstaltung zu Wort: So wünschte sich Silke Sander von der Fachstelle Seniorenhilfe im Chemnitzer Sozialamt eine verstärkte Nutzung  der Freizeitangebote in den städtischen Begegnungsstätten. Dr. Thomas Schuler, Vorsitzender der AWO Chemnitz, warb für ein neues Netz von Stadteilzentren für Senioren. Dabei machte er auf die guten Erfahrungen der Partnerstadt Düsseldorf aufmerksam, die ihr Angebot an Begegnungsstätten in den letzten Jahren flächendeckend umgebaut hat.