Publikation zur Geschichte der Freimaurer in Chemnitz

Die Freimauerei umhüllt bis heute zumeist ein Schleier des Geheimnisvollen. Mit ihr verbinden sich noch immer oftmals vielfältige Spekulationen und abstruse Vorstellungen von einem verschwörerischen Geheimbund. Im Gegensatz dazu will die vorliegende Veröffentlichung ein fundiertes, sachliches Bild von der Entwicklung der Freimaurerei in Chemnitz vermitteln. Autor ist der Chemnitzer Historiker Dr. Volker Knüpfer, der in deutschen und österreichischen Fachpublikationen mehrere Beiträge zur Freimaurergeschichte veröffentlicht hat.

Die Publikation erschien in der Reihe zur Geschichte des Reitbahnviertels, das eng mit den Traditionen der Freimaurerei in der Stadt verbunden ist. Hier befand sich an der Brauhausstraße das große Logenhaus der Chemnitzer Freimaurerloge „Zur Harmonie“, die einst zu den größten Freimaurerverbindungen Deutschlands zählte. In der Aula der Annenschule, die auf dem ehemaligen Standort des 1945 bei Bombenangriffen zerstörten Logenhauses errichtet wurde, erfolgte nach 1989 die Wiedergründung der Loge.

So liegt es nahe, in der vorliegenden Publikation wichtige Seiten der Entwicklung der Freimaurerloge „Zur Harmonie“ und ihre Bedeutung für die Stadt Chemnitz aufzugreifen. Der Leser erfährt viele wissenswerte und interessante Fakten und Zusammenhänge über die mehr als 200-jährige Geschichte der 1799 gegründeten Loge „Zur Harmonie“, ohne dass übergreifende historische Zeitabläufe aus dem Blickfeld geraten. Dabei soll vor allem neben dem Werdegang der Loge selbst das Hineinwirken dieser freimaurerischen Organisation in die städtische Gesellschaft und ihre soziale Verankerung, aber auch ihre Stellung zu wesentlichen geschichtlichen Entwicklungen und Ereignissen des 19. und 20. Jahrhunderts skizziert werden.

Haben die jeweils vorherrschenden Zeitströmungen und konkreten historischen Verhältnisse die Freimaurerei immer wieder deutlich mit geprägt, so nahm sie ihrerseits Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungsprozesse und trat als Impulsgeber von wirkungsmächtigen Ideen in Erscheinung. Die Freimaurerlogen waren ein wichtiger Träger von Aufklärungsbewegung und emanzipatorischem Gedankengut. Freimaurerisches Streben zielt auf Toleranz, sittliche Vervollkommnung, Menschenliebe, Brüderlichkeit und Überwindung von dogmatischer Vorherrschaft. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts bildeten die Freimaurerlogen einen bedeutsamen Faktor der sich formierenden Bürgergesellschaft. So beschreibt die Darstellung ausführlich den Anteil der Loge „Zur Harmonie“ an der Entwicklung des geistig-kulturellen Lebens in der Stadt und ihr ausgeprägtes gemeinnütziges und soziales Engagement. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden von der Loge insgesamt 11 wohltätige Stiftungen gegründet. Bekannte Persönlichkeiten der Stadt gehörten der Freimaurerloge an, so der erste Chemnitzer Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Andre‘ (1827-1903) und der Industrielle Richard Hartmann (1809-1878). Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Unterdrückung und Diffamierung der Freimaurerei in der Zeit des Nationalsozialismus, die mit der Einrichtung eines antifreimaurerischen-antisemitischen Propagandamuseums im Chemnitzer Logenhaus einen traurigen Höhepunkt erlebte. Der letzte Abschnitt widmet sich der Zeit nach 1945 und geht auf das heutige freimaurerische Wirken der 1990/91 wieder entstandenen Loge ein.