Der Jugendaustausch  Chemnitz – St. Petersburg – 2008, der Besuch in St. Petersburg

Der Jugendmigrationsdienst der Arbeiterwohlfahrt unterstützt aus dem Ausland zugewanderte junge Menschen in Chemnitz im Prozess ihrer Integration in das gesellschaftliche Leben in ihrer neuen Heimat.

Jugendaustausch Chemnitz – St. Petersburg 2008

Zu dieser Integrationsarbeit gehört auch das Vertraut machen der heimischen Bevölkerung mit den Gegebenheiten, der Kultur und dem Lebensumfeld, aus welchem die Zugewanderten kommen.

So organisierte unser Jugendmigrationsdienst im Jahr 2008 einen Jugendaustausch der deutschen Jugendlichen mit Jugendlichen aus St. Petersburg.

Am frühen Morgen des 16. Juni 2008 fanden sich 10 Jugendliche aus der Bildungsstätte BWC Chemnitz mit ihren Begleitern aus dem Jugendmigrationsdienst und aus dem Amt für Jugend und Familie Chemnitz in Richtung Flughafen Berlin Tegel zu starten. Die Fahrt vom Petersburger Airport Pulkovo in die Unterkunft im Stadtbezirk Krasnogwardejski gab einen ersten Eindruck über die Größe und das Verkehrsaufkommen in der 5-Millionen-Metropole. In der Unterkunft warteten gemütlich eingerichtete Zimmer, frisch renoviert. Im selben Gebäude, inmitten eines unüberschaubar großen Plattenbaugebietes, befanden sich auch Werkstätten des Sozialbetriebes, wo unsere Gruppe an den Vormittagen in die Produktion eingebunden wurde.

Der Sozialbetrieb, man sagte auch Spezialbetrieb, könnte auch Jugendwerkstatt oder Produktionsschule sagen, entwickelt, baut und verkauft Tischspiele, die, aus Holz gefertigt und in Kartons verpackt, durch attraktive Gestaltung sehr gut geeignet sind, Kinder auf spielerische Art mit Lebensbereichen vertraut zu machen: Straßenverkehr, Schule, Vögel im Wald, Haustiere, Besuch beim Arzt, Bäume, die Feuerwehr, Lastwagen und vieles, immer wieder Neues mehr.

Im Herstellungsprozess durchlief die Gruppe die unterschiedlichsten Bereiche, gut angeleitet und in wichtige Kniffe eingewiesen, ohne aber natürlich die Routine oder Schnelligkeit des angestammten Personals zu erreichen: Vorlagen ausschneiden, Würfel oder Jetons bekleben, Kartons falten, Verpackung, Gütekontrolle. Dabei gab es viele Gelegenheiten mit den Petersburger Mitgliedern von "Neue Generation" ins Gespräch zu kommen.

Für die Nachmittage war ein umfangreiches Programm vorbereitet worden, um möglichst viel vom Venedig des Nordens zu zeigen. Die erste Exkursion zur Isaak Newski-Kathedrale, zum Reiterdenkmal Peter I. und zur Spitze der Wassiljewski- Insel gab einen ersten Überblick über das historische Zentrum. Die Eremitage bietet erdrückend viel Kunst und scheint zur Zeit der Weißen Nächte von zu vielen Touristengruppen, die sich in den Sälen kreuzen und regelrecht abdrängen, zu überlaufen. In Peterhof stand der Wettergott bei, denn das viele Gold sollte man bei Sonnenschein erleben, der hier nicht alltäglich ist. Auf der Aurora und im historischen Unterseeboot beeindruckte die Technik ungemein, lange geschichtliche Exkurse fielen aus. Sehr interessant und beeindruckend die Peter -Pauls-Festung und das Domik, das Häuschen Peters I., die beide an die ersten Ursprünge der Stadtgründung heranführen. Ehrfurcht angesichts der Stimmung in der Kasaner Kathedrale, dort auch das Grab Kutusows mit erbeuteten Fahnen der napoleonischen Armee. Die Besichtigung der Wiederauferstehungskirche Auf dem Blute wurde dem letzten Tag noch abgetrotzt, zuvor der Sommergarten, einer der wunderschönen Parkanlagen, besucht. Im Russischen Museum war es nicht ganz so stressig wie in der berühmteren Galerie. Hier gab es Gelegenheit, Bilder einmal etwas eingehender zu betrachten und zu analysieren. Unvergesslich freilich bleibt die mitternächtliche Bootsfahrt auf der Newa und den Kanälen, zur Brückenöffnung und mit Feuerwerk, in dieser Pracht nur im Juni und bis Mitte Juli zu erleben.

Dankbar war die Gruppe für die Möglichkeit zweimal in das Hinterland der Metropole zu gelangen, zum ersten zum Abfluss der Newa aus dem Ladoga-See mit der Festung Schlüsselburg Oreschek und Picknick am Fluss, zum zweiten ins Sommerlager von "Neue Generation", weit im Nordosten, nahe des Flusses Swir, einschließlich der Besichtigung des Alexander-Swirskij-Klosters.

Im Sommerlager erleben Kinder, die bei der Organisation sind, zwei schöne Wochen weit außerhalb der Stadt.

Am vorletzten Tag trafen sich die russischen Jugendlichen von „Neue Generation“ und die deutschen Gäste zu einem Talk – Show zusammen. Moderiert durch eine Mitarbeiterin der „Neuen Generation“ beinhaltete das Gespräch den Meinungsaustausch über die Wichtigkeit, den Stellenwert und die Motivation einer Berufsausbildung und des weiteren Berufsweges. Zaghaft und zurückhaltend am Anfang sprachen Jugendliche offen und emotional über ihre Vorstellungen und Wünsche in Fragen Ausbildung und Beruf, erzählten über die Situation in ihrer Stadt und fragten, wie es ist, im anderen Land in eine Berufsschule zu gehen, was sind die Schwierigkeiten und Probleme ausländischer jungen Menschen. Herzlich und aufgewühlt verabschiedeten sich Jugendliche, vieles wurde angesprochen, das Interesse der russischen Schüler, die im Herbst nach Chemnitz kommen sollten, wurde bekräftigt. Die deutsche Seite bedankte sich für die Gastfreundschaftlichkeit und den perfekt organisierten Besuch und schenkte ihren Gastgebern kleine mitgebrachten Souvenirs.

Alle Teilnehmer fuhren zufrieden in die Heimat zurück, auch mit dem Wissen in der Fremde zurechtgekommen zu sein und neue Freunde gefunden zu haben.